Geschichte

1. Die Grundsteinlegung
Als am Abend des 20.Dezember 1869 die Luisenstadt erstmalig vom kräftigen Glockenklang der neuen Kirche am Mariannenplatz erschallte, stand den Gläubigen dieses großen und weitgehend noch unbebauten Stadtquartiers nicht der andauernd schwelende Konflikt zwischen liberalem Bürgertum und konservativem Königshaus im Sinn, sondern mit Freude und Hoffnung erwartete man den folgenden St.Thomas-Tag, den Tag der Sonnenwende, wo in – vielleicht vordergründiger – Eintracht Königshaus, hohe Geistlichkeit, städtische Behörden und die Gemeinde das prächtige neue Kirchgebäude weihen wollten. Gemeinsam war man sich bewußt, daß hier ein wichtiges und würdiges Gotteshaus vollendet worden war. Daß es aber – so schon das Resümee der Sachkundigen am Ende des vorigen Jahrhunderts – die gesamte evangelische Kirchenbaukunst nach Schinkel und Stüler als den bislang richtungsweisenden Kirchenarchitekten in Preußen typologisch beeinflussen sollte, das konnte mit Sicherheit noch nicht vorausgesehen werden. Ein solches Einweihungsfest wie das von St.Thomas sollte sich im fortschreitenden Jahrhundert mit seinen zahlreichen neuerrichteten Kirchen in vergleichbarer Weise vielfach in der Riesenstadt Berlin wiederholen, für die Zeit am Vorabend der Proklamation des deutschen Kaiserreiches und des Aufstiegs Berlins zur deutschen Reichshauptstadt war es indes ein herausragendes, einmaliges Ereignis.

 

2. Die Interimskirche

Diese Bauwerk hat selbst eine bemerkenswerte Geschichte und soll deshalb auch an dieser Stelle eine kurze Würdigung und Charakterisierung erfahren. Ihre Besonderheit besteht darin, die erste ihrer Art in Berlin gewesen u sein, und Nachfolgerinnen hat sie eine ganze Reihe besessen. Sie stand auf dem Grundstück des heutigen Gemeindehauses, etwa im Bereich der jetzigen Zufahrt. Den Entwurf zu dem schlichten Fachwerkbau mit Abmessungen von beträchtlichen 23×12 Metern hatte der Ratszimmermeister R.Schultz angefertigt. Über dem First von 8 Meter Höhe war über der Hauptfassade ein Glockenhäuschen aufgesetzt. Erstaunlicherweise faßte dieser kapellenähnliche Bau 700 Gläubige, für 500 Sitzplätze im Schiff selbst sowie auf den dreiseitig den Kirchenraum umlaufenden Emporen eingerichtet worden waren. “So unscheinbar die äußere Ansicht der Kirche ist, so überraschend und zugleich wohlthuend wird Jeder berührt, der das Innere betritt; die symmetrische und zweckmäßiges Anordnung, so wie die reichliche und doch einfache Ausstattung, die Malerei an Decke, Wänden, Chören, Kanzlei und Säulen bringen den Eindruck eines lieblichen Gotteshauses hervor”.
Die innere Ausstattung hatte die Gemeinde im wesentlichen selbst gespendet – hervorzuheben die Dinse-Orgel mit acht Registern, liturgische Geräte von beträchtlichem Wert. Das Altargemälde mit der Darstellung der Offenbarung des auferstandenen Christus vom Akademie-Professor Kaselowski stiftete Fabrikbesitzer und langjähriger Kirchenvorsteher August Heckmann. Das vergoldete Kreuz auf dem Dachreiter sowie die Glocke selbst hatte der König gestiftet. “Unser Kirchlein ist immer weniger im Stande, die Zahl der Kirchgänger zu fassen, wir sehen mit Sehnsucht der Vollendung der neuen Kirche entgegen…” heißt es im 3. kirchlichen Bericht für das Jahr 1867.
Auch nach deren Einweihung blieb der Gemeinde die Interimskirche noch für einige Zeit erhalten. “Gegenwärtig ist sie noch eine willkommende und unentbehrliche Aushülfe für die Haltung der Kindergottesdienste und Bibelstunden, wofür die neue Kirche zu groß und zu kostspielig in Heizung und Erleuchtung, ihre Sakristeien aber zu klein sind.” 700 Kinder (!) nahmen den Berichten zufolge an diesen Gottesdiensten teil.
Im darauffolgenden Jahr 1870, dem Beginn der die Reichseinigungskriege abschließendem Feldzüge gegen Frankreich, wurde das Kirchlein in besonderer Weise genutzt: Am 25.August nahm es die ersten 24 Betten mit verwundeten Soldaten aus der Parochie auf, unterhalten als “St.Thomas-Lazareth” von der Gemeinde selbst. “Es ist uns eine besondere Freude, die kleine Kirche, die uns so lange als unser Gotteshaus gedient hat und die uns lieb geworden ist, nun noch einem so gesegneten patriotischen Zwecke widmen zu können.”, liest man im Bericht für das Jahr 1870.
Bis zur Schließung des Lazaretts am 1.Juni 1871 hatte man 137 Verwundete betreut.
1872 erfolgte eine provisorische Abtrennung der östlichen Bereiche der Parochie mit der Maßgabe, deren kirchliche Handlungen von nun ab in der Interimskirche vorzunehmen. Damit war der erste Schritt zur längst überfälligen Teilung des Sprengels vollzogen, der im Juni zum Abbruch der Interimskirche führte. Ihre Umsetzung auf den nahen Lausitzer Platz beendete mit der Wiedereinweihung am 5.Januar 1873 ihren gut 10jährigen Gebrauch durch die St.Thomas-Gemeinde.

3.Bauausführung der St.Thomas-Kirche

Mit den vorbereitenden Bauarbeiten und der Ausschachtung der Baugrube wurde am 1.Mai 1865 begonnen. Beträchtliche Grundwassereinbrüche im Bereich der späteren Fronttürme verzögerten die Feier der Grundsteinlegung, für die Friedrich Adler mit dem ersten Pastor der selbständigen Gemeinde, Theodor Hübner, das Festprogramm entworfen hatte. Sie wurden sodann am 15.Oktober 1865, dem Geburtstag Friedrich Wilhelms IV., (ebenso der Adlers) “in dankbarer Erkenntnis der hohen Verdienste des in Gott ruhenden Königlichen Herrn um das Aufblühen des Cöpenicker Feldes zu einem großen schönen Stadttheil, wozu die Anlegung des Canals und die Erbauung Bethaniens den Anlaß gegeben, unter großer Beteiligung höchster städtischer und geistlicher Würdenträger begangen.”

Trotz schwierigster Fundierungsarbeiten ging die Erbauung des Gotteshauses zügig voran. Bei Wintereinbruch 1865 waren die Umfassungsmauern, für die der mit Adler befreundete Ziegeleibesitzer Lessing in Hermsdorf die hartgebrannten Backsteine lieferte, bis zu einer Höhe von ca. 10 Metern aufgeführt.
Im Jahr darauf konnten trotz der Behinderung durch die Geschehnisse des Österreich-Feldzuges (Schlacht bei Königgrätz) die Westtürme vollendet werden.
Größte Vorsicht und Sorgfalt wurde der komplizierten Kuppelkonstruktion gewidmet, und schon am 18.Oktober 1867 – abermals ein Hohenzollern-Geburtstag, nämlich des Kronprinzen Friedrich Wilhelm- konnte mit der Aufrichtung des monumentalen Zinkkreuzes auf der Kuppellaterne das Richtfest begangen werden.

Das Jahr 1868 diente den Vorbereitungen des inneren Ausbaus. So wurden alle Abputze, das Einsetzen der Maßwerke in die großen Rundbogenfenster und die Verglasungen vorgenommen werden. Eine längere Verzögerung trat durch das sehr langsame Austrocknen des Mauerwerkes ein. Infolgedessen kam es zu Zerstörungen zu früh aufgebrachter Wandanstriche. Ein nochmaliges Einrüsten wurde notwendig. Der geplante Übergabe- und Einweihungstermin konnte daher nicht eingehalten werden. Der Innenausbau einschließlich der Tischler- und Schlosserarbeiten bzw. der restlichen Ausmalung zig sich bis unmittelbar zur eingangs beschriebenen Eröffnungsfeier am 21.Dezember 1869, dem St.Thomas-Tag hin.
4.Beschreibung des Bauwerks – Grundriß und Raumstruktur

Der in den Grundzügen sehr klare, nach Norden orientierte Grundriß setzt sich aus einem kleeblattähnlichen sogenannten Trikonchos, einem “kurzem Langhaus” und einem südlichen Turmriegel zusammen.
Im westlichen Turm lagen die Treppen zur Orgelempore und zum Glockenstuhl, während im Untergeschoß des östlichen das feuersichere Kirchenarchiv untergebracht war.
An dem Turmriegel schließt sich das Langhaus an, das, von schmalen Seitengängen flankiert, nur aus einem großen Quadratjoch besteht. Den Übergang zum gleichgroßen Vierungsquadrat bilden ein schmales quergelagertes Zwischenjoch und eine kräftige doppelte Gurtbogenzone.
Nach Westen und Osten öffnen sich halbkreisförmige Querschiffsarme (die Konchen), hinter denen sich, analog zum Langhaus und nur durch Pfeiler vom Schiff getrennt, offene Laufgänge befinden.

Vom Vierungsquadrat führen sechs Stufen in den nördlichen Altarraum hinauf, der in einem halbkreisförmigen Chorhaupt endet, und hinter dem sich, seiner Rundung folgend, in niedriger Raumfolge Sakristei, Taufkapelle und kleinere Versorgungsräume lagern.

Der gesamte Bau ist auf unterschiedliche Art überkuppelt. Das Langhaus überspannt ein einfaches mächtiges Kreuzrippengewölbe, dem sich, von breiten Gurten eingefaßt, schmalere Tonnen anschließen. Hängezwickel leiten das Quadrat der Vierung in den hohen Zylinder über, den eine von zwölf kräftigen Rippen gehaltene Kuppel abschließt. Gleichartige Halbkuppeln überwölben die beiden Konchen und das Chorhaupt, während sich über den Altar eine breite Tonne spannt. Sämtliche Seitenumgänge sind im Emporengeschoß von schmalen Tonnen gewölbt, im Erdgeschoß wie auch in der Sakristei, der Zwerggalerie und den Kellerräumen von flachen Tonnen.

Dagegen besitzen die Turmhalle, die vier Vorgallen der Seitenportale und die Turmgeschosse einfache Kreuzgratgewölbe. Um diesen Konstruktionen mit ihren komplizierten Schubverhältnissen Stabilität zu geben, mußte ein massives Strebesystem entwickelt werden. Adler griff dabei auf die nicht unbekannte, aber in der zeitgenössischen Baukunst kaum gebräuchliche Abteilung der Schubkräfte auf nach innen gezogenen Streben zurück, die sowohl aus der herkömmlichen aufgemauerten Pfeilern als auch aus schlanken, fast zierlich wirkenden Eisensäulen bestehen. Durch dieses Struktursystem gelang es, weitgespannte Wölbungen ohne Zwischenstützen zu erzielen und den Widerlagern die Funktion beizumessen, mit den Umfassungsmauern der Kirche jene den gesamten Innenraum so zweckmäßig umlaufenden, doppelgeschossigen Seitengänge zu bilden. Im Außenbau erscheinen daher nur die flachen, kaum aus der Wand heraustretenden Strebepfeiler.

Besondere Sorgfalt wurde auf die Konstruktion der Vierungskuppel verwendet. Schon die Fundierung der sehr nahe am Luisenstädtischen Kanal errichteten Vierungspfeiler stellte höhere zeitliche und technische Anforderungen als gewöhnlich. Hatte der enorme Schub der Kuppel nach Süden hin sicher in den Langhausmauern aufgefangen werden können, so fehlten diese massiven Widerlager schon bei den Umfassungsmauern der Konchen und mehr noch in der kleineren östlichen Chorapsis mit ihren niedrigen Anräumen. Daher schien es ratsam, die mächtigen Vierungspfeiler möglichst vertikal zu belasten. Der führende Konstrukteur und Statiker jener Zeit war der mit Adler befreundete J.W. Schwedler (1823-94), der bei nahezu allen Monumentalkonstruktionen beratend tätig war. Auf seine Angaben hin wurden dicht über den Scheiteln der Vierungsbögen drei schmiedeeiserne Umschließungsringe von jeweils 6 Zoll Breite und 1 Zoll Stärke um den quadratischen, an den Ecken geringfügig angerundeten Vierungskörper gelegt. Darüber hinaus wurde das Gewicht der oberen Kuppel durch vier in geneigten Schichten gemauerten Streben direkt auf die Vierungspfeiler geleitet, die aus hart gebrannten Rathenower Ziegeln aufgemauert worden waren. Zum Schluß seiner ausführlichen Beschreibung der Kuppelkonstruktion äußert Adler die Hoffnung, daß “der hier gemachte Konstruktionsversuch den Fachgenossen einen neuen Beweis von der wertvollen und bisher noch nicht genug ausgebeuteten Biegsamkeit und Anschlußfähigkeit eines guten Backsteinmauerwerks giebt.”

Durch diese Struktur und Durchbildung gelang es Adler, einen eindrucksvollen monumentalen Innenraum zu schaffen, bei dem der Charakter des Zentrierten überwiegt, der Eindruck des Längsgerichteten hingegen zurücktritt. Diese Plandisposition kam der Forderung nach protestantischen Kirchen mit Predigtschwerpunkt sehr entgegen, zumal die etwas in die Vierung gerückte Kanzel weder von Seitenschiffstützen noch anderen Baugliedern den Blicken der Gläubigen entzogen wurde. Ein weiterer Vorteil lag in der relativ geringen Entfernung zwischen Altar und hinterster Kirchenbank, wenn man bedenkt, daß bis zu 3.000 Gläubige im Gotteshaus Aufnahme finden konnten.
Von größter Zweckmäßigkeit erwies sich in diesem Zusammenhang die Anlage der gangartigen Seitenschiffe. Sie sorgten – über die Forderungen des Programms hinaus – für einen weitgehend rasches und störungsfreies Betreten der Kirche in beiden geschossen. Dazu trugen die vier neben den Konchen angelegten Seitenportale wesentlich bei. Der zweite wichtige Vorteil der Seitenschiffkonstruktion lag in der optimalen Raumausnutzung des Kirchensaales.

5.Der ursprüngliche Innenraum
Das Kircheninnere setzt sich aus einfachen großvolumigen Raumteilen zusammen. Über dem gewaltigen Vierungsraum, dem sich die überwölbten Chor-, Quer- und Langhauskörper anschliessen, erhebt sich die hohe Hauptkuppel. Die einzelnen Raumteile werden vielfach gegeneinander abgestuft und streng gegliedert. So kontrastieren schwere Gurte, profilierte Rippen, Langhauspfeiler, zierliche Eisensäulen etc. mit den großen Wand- und Wölbungsflächen.
Etwas höher liegt der kleine, für die evangelische Liturgie aber ausreichende Chor mit seinem weit an die Vierung herangeschobenen Altar. Ein offener Umgang, der die Verbindung zwischen den östlichen Treppentürmen herstellt, umläuft das Chorhaupt über einer Pilasterstellung. Auf Eisensäulen ruhende schwere Brüstungen, hinter denen “amphitheatralisch” die Sitzreihen der Emporen ansteigen, durchschneiden die beiden Kreuzflügel. Eine Empore überspannt auch das südliche Langhausjoch. Neben Sitzplätzen für Kirchenbesucher und den Chor ist hier der Spieltisch für die große Orgel installiert, die in der hohen Nische des Westfensters aufgestellt ist. Unter der Orgelempore befinden sich die drei Verbindungstüren zwischen Turmvorhalle und Kirchenschiff. Ebenso frei sichtbar im Innenraum liegen die Emporenzugänge, während die Türen der Nebenportale in den Umgängen verborgen sind.
Der monumentale Raumeindruck wird neben der Wirkung der Architekturglieder auch wesentlich von der Lichtführung hervorgerufen. Das Tageslicht dringt in reichem Maße durch die großen Rundbogenfenster sowie durch die beiden zusätzlich in das Langhaus eingelassenen großen Rundfenster ein, die im Äußeren kaum sichtbar hinter derZwerggalerie verborgen liegen. Der Lichteinfall durch den stark durchfensterten Kuppelzylinder steigert die Wirkung des Innenraumes beträchtlich. Lediglich die Chorfenster, die als sogenanntes Gnadengeschenk König Willhelms eine reiche farbige Bemalung besaßen, dienten eher der stimmungsvollen Dekoration des Altarraums.
Die Gestalt und Detaildurchbildung der für den Kultus wichtigen, sämtlich von Adler entworfenen Ausstattungsstücke waren sehr maßvoll und entfalteten keine dominierenden Ansprüche. Die mächtige, von Sauer (Frankfurt/O) stammende Orgel verzichtete als Neuerung auf das damals sonst übliche Gehäuse. Die fast schmucklosen drei Pfeifenbündel passten sich sehr harmonisch in ihre architektonische Umgebung ein.
Die plastischen Ornamente und Baudetails wurden ausnahmslos dem antiken Formenschatz entlehnt, den Adler allerdings zu freieren Schöpfungen weiterentwickelte. So besitzen beispielsweise die Eisensäulen auf den Kopf gestellte, an Kelchkapitelle erinnernde Basen, mit Flechtbändern versehene Schaftringe sowie zierliche Kapitelle, die sich aus phantasievollen Blattkränzen zusammensetzen. Ähnliche Kapitelle schmücken, mit kleinen Engelfiguren bereichert, die Vorsprünge der Vierungspfeiler. Die Gestaltungselemente an den verschiedensten Baugliedern zeigen den gesamten Ornamentenkanon der spätklassizistischen Architektur, wie sie seinerzeit an der Bauakademie, besonders durch den einflussreichen Lehrer Karl Bötticher, vertreten wurde. Dementsprechend sind die Details wohlproportioniert der Gesamtstruktur des Innenraumes untergeordnet.
Große Aufmerksamkeit widmete Adler der farbigen Ausstattung. Da sie sich nicht erhalten hat, von den Zeitgenossen aber hoch gewürdigt wurde, soll sie im folgenden etwas genauer beschrieben werden. Die Zwickel der Vierungskuppel nahmen pflanzenumrankte Kreisbilder von Ernst Johann Schaller (1841-87) mit den vier großen Propheten des Alten Bundes, Jesaia, Jeremia, Hesekiel und Daniel, ein. Neben ihnen besaßen nur noch die drei grossen Chorfenster figürliche Malerei. Das Programm war von Adler in Zusammenarbeit mit dem schon genannten Pfarrer Th.Hübner entworfen worden. Die Malereien wurden danach in “flammenden” Farben nach Kartons des damals vielbeschäftigten Alexander Teschner (1816-78) vom Königlichen Institut für Glasmalerei in Charlottenburg ausgeführt.
Einen Eindruck der gesamten Innendekoration vermittelt Adler selbst :

“…Der gesamte Innenraum hat eine maßvolle aber doch etwas reichere farbige Behandlung erfahren als die in der evangelischen Kirchenbaukunst bisher üblich gewesen ist. Dabei ist ein jeder Anschluß sowohl an die wirkungsvolle aber derbe und oft durch Härte verletzende Farbgebung des Mittelalters, als an die theilweis hochvollendete aber ohne figürliche Compositionen schwer durchführbare italienische Innendecoration der Renaissance geflissentlich vermieden worden. Im Wesentlichen basiert die Färbung auf dem Contrast von steingrau und tiefgetönten Wänden zu licht gehaltenen röthliche gelb getönten Decken im Langhause, der Kuppel, den Halbkuppeln u.s.w., während die Tonnengewölbe in allen Umgängen durch lichte blaugrüne gemusterte Färbung den Contrast zwar zu steigern aber mit den reichen Farbmustern der Fensterobertheile gleichzeitig zu verhindern suchen. Die schlanken broncierten Eisensäulen, die Eichenholzdecken unter den Emporen und die gleiche Färbung der Bestuhlung, endlich eine sparsam vertheilte Vergoldung an den Decken sollen schließlich dem Auge theils Ruhepunkte, theils Anziehungspunkte gewähren, wobei im Großen und Ganzen das Bestreben sich geltend zu machen sucht, eine milde feierliche und weihevolle Grundstimmung in dem Gemüthe der Kirchenbesucher zu erwecken. In solchem Sinne verdient eine maßvolle farbige Kirchenbaukunst ernste und fortgesetzte Pflege von Seiten der Fachgenossen, zumal da hierdurch selbst bei beschränkten Mitteln Schönes und Vollendetes zu erreichen ist.”

 

von Dr. Peter Lemburg

 

Wer Näheres zur Geschichte der St. Thomas-Kirche erfahren möchte, sei verwiesen auf den Beitrag „St. Thomas auf dem Luisenstädter Mariannenplatz – Der Bau und seine Geschichte“ von Dr. Peter Lemburg aus der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Thomas Kirche (1994), zu finden auf der Website der St. Thomas Gemeinde (www.stthomas-berlin.de ) unter dem Menüpunkt „Geschichte“.